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Kunststoff-Kreislauf klappt mit Kleinstlebewesen

ILMAC Kurzbericht Nr. 1 - Kunststoff-Kreislauf klappt mit Kleinstlebewesen. Kunststoffe lassen sich mit recht geringem Aufwand formen und ihre Eigenschaften in einem weiten Bereich steuern.

Kunststoff-Kreislauf klappt mit Kleinstlebewesen

Kunststoffe lassen sich mit recht geringem Aufwand formen und ihre Eigenschaften in einem weiten Bereich steuern. Selbst die viel gescholtenen «Wegwerfartikel» spielen gerade angesichts der Bedrohung durch Corona-Viren eine segensreiche Rolle. Wie würden wohl Biolabore und Krankenhäuser ohne Einmalspritzen, Einmalschläuche, medizinische Beutel und Schutzmasken ihre Hygiene aufrechterhalten?

Aber auf lange Sicht müssen wir eine Kunststoff-Kreislaufwirtschaft entwickeln. Eine Komponente dürften klassische Steamcracker darstellen. Denn statt Öl und Gas kann man sie bei virtuoser Temperierung auch mit Plastikabfall betreiben. Eine andere Hilfestellung geben Kleinstlebewesen.

Die Zersetzung einer PET-Flasche dauert in der Natur rund 400 Jahre. Im Labor am Institut für Angewandte Mikrobiologie der RWTH Aachen schaffen es Zuchtmikroben mit ihren Enzymen in vier Tagen. Die Forscher dehnen ihre Aktivitäten inzwischen auf Polyurethan-Schäume und das besonders hartnäckige Polyethylen aus. Nachdem die «Abbrucharbeiter» die Kunststoffabfälle zerlegt haben, machen andere Mikroben als «Baumeister» neuen Kunststoffe daraus (z. B. Polyester). Was nicht verwertet wurde, lässt sich in den Prozess zurückführen.

Indessen hat eine andere Forschergruppe schon polyethylenfressende Bakterien aus Motten entdeckt. Und selbst die Entfernung des bereits in die Meere gelangten Kunststoffs erscheint in Plastik-Klärwerken unter Mithilfe von genveränderten Kieselalgen möglich. Die Art der Mikroben, ihre speziellen Enzyme und die Prozessführung im Bioreaktor eröffnen zahlreiche Optimierungsmöglichkeiten.

Wie Forscher und Ingenieure eine solche Kunststoff-Kreislaufwirtschaft Realität werden lassen, zeigt die Ilmac Basel.

 

Anmerkung zu den Bildern:

Bild 1 und 2: Sie sind einfach so praktisch! – Schläuche, Verbinder etc. aus Kunststoff für das Labor. – Bilder: MCH Messe Schweiz (Basel) AG 

Bilder 3–5: Selbst zu klassischen Glaspipetten – hier mit praktischer Pipettierhilfe – gibt es Alternativen: Sie sind nicht häufig anzutreffen, aber im Labor manchmal eine robuste, inerte und weniger zerbrechliche Option: Vollpipetten und Messpipetten aus Kunststoff.

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