Chemiebranche sucht nach Fachkräften im Ausland

Publiziert am 18.02.2020 von Anne Klipfel
ILMAC connect Logo

Die Ilmac lanciert erstmalig eine Jobbörse

Die Schweizer Chemie- und Pharmaindustrie benötigt mehr geeignete Fachkräfte, als hierzulande ausgebildet werden. Die Fachmesse für Labor- und Prozesstechnologie (Ilmac) nutzt ihre Kontakte in der Schweiz und gründet dieses Jahr eine neue Plattform für Stellensuchende: Ilmac connect. Die Jobbörse findet erstmals in Freiburg im Breisgau (D)
am 16. Juni 2020 statt. Im Interview erklärt Messeleiter Michael Bonenberger, wie diese neue Kontaktbörse funktioniert.

Herr Bonenberger, wie kommt eigentlich eine Schweizer Fachmesse auf die Idee, eine Jobbörse im Ausland zu lancieren?
Die Ilmac diente eigentlich schon immer als eine Art Jobbörse beziehungsweise Vermittlerbörse innerhalb der Schweiz: Stellenanbieter und Stellensuchende der Branche haben sich auf der Messe getroffen. Neu ist jetzt, dass wir diesen Grundgedanken wirklich konkret aufgreifen. Wir führen die Aussteller und Besucher als eine Community zusammen. Wichtig ist dabei zu sehen, dass es eine wechselseitige Beziehung gibt. Nicht nur die freien Arbeitsplätze der Aussteller, sondern auch die der Besucherfirmen stehen im Fokus. Die Ilmac connect nimmt diese «Jobbörse» aus der Schweiz heraus und transferiert sie in einen Markt hinein, auf welchem noch mehr Fachkräfte zur Verfügung stehen. Oft haben uns Personalverantwortliche mitgeteilt, wie schwierig es sei, genügend Fachkräfte in der Schweiz zu finden. So ist diese Grundidee zustande gekommen. Wenn man nicht mehr genügend Fachpersonen findet, muss man sich eben auf die Suche machen, und zwar dort, wo man noch welche vermutet. Deswegen haben wir uns erst einmal für die nächstgelegene deutsche Stadt mit starker Innovationskraft im Bereich Chemie, Pharma und Biotechnologie entschieden: Freiburg im Breisgau. Zudem befindet sich die Stadt ziemlich in der Nähe des Industriestandortes Basel. Man kann also problemlos von Freiburg nach Basel pendeln. Gerade einmal vierzig Minuten dauert die Zugfahrt. Auch kann sich der Arbeitnehmer überlegen, ob er doch nicht lieber in die Schweiz ziehen möchte, da sie ganz in der Nähe ist. Ach ja, und zudem liegt Freiburg auf der halben Strecke meines Arbeitsweges.
Die Veranstaltung findet wohl nicht auf dem Messegelände in Freiburg statt?

Nein, die Jobbörse wird im Konzerthaus der Stadt Freiburg stattfinden. Es ist ein besonderer Ort, wo Kunst und Kultur zusammenkommen, und man denkt nicht als aller erstes an eine Art Networking-Messe. Das Ambiente ist gut geeignet,um die Schweiz kennenzulernen. Auch ich als Nichtschweizer habe die Schweiz vor einigen Jahren kennengelernt. Ich weiss also gut, wie das ist, wenn man eine neue Herausforderung in einem fremden Land wahrnimmt. In der Schweiz ist im Gegensatz zu Deutschland alles ein bisschen «feiner», ein bisschen netter. Also gehen wir von der Industriehalle hinein in ein Konzerthaus, in eine festlichere Atmosphäre.
Wie haben Sie persönlich den Weg in die Schweiz gefunden?

Ich bin Schritt für Schritt in die Schweiz gekommen. Zuerst arbeitete ich für eine deutsche Firma mit Schweizer Firmen zusammen, bis ich schliesslich 2012 endgültig in der Schweiz eine Stelle angenommen habe.
Was kann ich als Arbeitgeber von der Ilmac connect erwarten?

Üblicherweise sind auf einer Stellenanzeige nur harte Fakten aufgelistet: z. B. Stellenprozent, Arbeitsort und konkrete Funktionen. Man kann sich bei der Gestaltung einer Stellenanzeige nicht wirklich auf den Gesamtrahmen konzentrieren und somit fehlen die weichen Faktoren. Das heisst, es wird dir als Arbeitsnehmer nicht mitgeteilt, worauf du dich sonst noch, z. B. bezüglich Versicherungen und Steuern, achten solltest. Gerade diese weichen Faktoren kann die Ilmac connect vermitteln, weil sie auf Erfahrungsberichte zurückgreifen kann. Kurzum: Als Arbeitgeber braucht man nur das zu machen, was man immer schon gemacht hat. Er muss nur die harten Faktoren mitliefern, denn für die weichen sorgt die Ilmac connect.
Wie muss man sich diese Jobbörse konkret vorstellen, wie geht sie vonstatten?
Wichtig ist für mich, dass immer wieder der persönliche Kontakt im Vordergrund steht. Heute weiss man, dass zwar viele Fachkräfte fachlich geeignet sind, aber die weichen Faktoren stimmen häufig nicht. Uns ist wichtig, dass wir als Ilmac connect den Raum bieten, um solche weichen Faktoren zu klären, indem wir die Gespräche in den Mittelpunkt stellen. Die Besucher, also die zukünftigen potenziellen Arbeitnehmer, können ihre Bewerbungsunterlagen auf einen Server hochladen und diese so über «Transaktionen» dem potenziellen Arbeitgeber zur Verfügung stellen. Auf diese Weise nehmen die Personen ohne Bewerbungsunterlagen und ohne zusätzlichen Ballast an der Jobbörse teil.
Der Arbeitgeber wird potenzielle Arbeitnehmer mit Lebensläufen erhalten, aber wie sorgt die Ilmac connect dafür, dass genügend Interessenten kommen?
Diese Frage wurde uns natürlich auch von unseren Partnern gestellt. Es ist so, dass die eigentliche Messe Ilmac von der Beziehung «Business-to-Business» zu «Business-to-Customer» übergeht. Das ist allerdings keine grosse Veränderung, wie das bei manch anderen Firmen der Fall wäre, denn die Ilmac ist Teil des Messeveranstalters MCH Group. Das Marketing ist das Hauptgeschäft dieses Unternehmens. So haben wir als Messeorganisation die Erfahrung B2C bereits, sei es online über LinkedIn, Facebook, Google oder auch über die klassischen Printmedien. Wir können also gut auf unsere Erfahrung im Marketing aufbauen.          Die Personalabteilung vor allem bei kleinen Unternehmen hat mit uns nun unsere geballte Marketingkraft.
Wann beginnt die Veranstaltung und wie sehen die nächsten Schritte aus?
Die Veranstaltung wird erstmalig am 16. Juni 2020 stattfinden. Wir haben bereits Unterlagen sowohl an die Personalabteilungen als auch an die entsprechenden Abteilungsleiter gesendet, wobei es besonders wichtig ist, dass die Personalverantwortlichen über die Vakanzen und Bedürfnisse der einzelnen Abteilungen des Unternehmens informiert werden.  Wir würden uns freuen, diese neue Veranstaltung künftig mit unseren Partnern an verschiedenen Orten zu wiederholen. Wir glauben, dass das hilft, die Vernetzung der Community zu stärken. Generell bin ich sehr dankbar für alle Inputs, die ich vom Markt, insbesondere an der Ilmac, erhalte. Die Ideen bringe ich nicht selbst, der Markt ruft sie hervor.

Michael Bonenberger im Interview mit Roger Bieri
Ausgabe CHEMIEXTRA 1-2 /2020

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